Nicht unwidersprochen, trotzdem hilft das Progrämmchen sehr plakativ der Anschauung auf die Sprünge: Vergleich des Stasi- mit dem NSA-Aktenschrank von ODC. Ich meine »ja«, man darf vergleichen ― auch wenn der Vergleich natürlich hinkt. Aber wozu der amerikanische Aktenschrank, ah, Terrorismusabwehr, verstehe…
Nicht von mir, aber leider richtig: Dem Tiefpunkt einer simulierten Aufklärung, geschrieben von Sascha Lobo bei Spiegel Online, kann ich nur zustimmen. Und Jacob Augstein schreibt im Spiegel 19/2014: »Haben Merkel und Gauck schon vergessen? Die Stasi sammelte Geruchsproben Ihrer Gegner. Das müssen die Amerikaner nicht: Sie riechen nicht an Unterhosen. Sie kriechen in unseren Kopf. Sie kennen unsere Vergangenheit, sie rechnen unsere Zukunft aus. Ihr Ziel ist die totale Kontrolle. … Wie viele Kollateralschäden – von den Drohnentoten im Jemen bis zur Totalüberwachung – nehmen wir in Sorge um unsere Sicherheit in Kauf? Und wie will die Regierung unsere Freiheit am Hindukusch oder sonst wo auf der Welt verteidigen, wenn ihr das nicht einmal in Berlin-Mitte gelingt?«
Gut, das eigentliche Ziel der NSA-Schnüffelei ist wohl eher hier beschrieben. Und William Binney liefert auch gleich die Konsequenzen nach, die die Verantwortung dafür haben müsste. Aber leider leben die Mächtigen dieser Welt wohl zu gut mit dem Informationsvorsprung, dass so ein »kleiner Grundrechtsbruch« weggenuschelt wird, und man sich sogar zu der seltsamen Rechtsauffassung gegenüber dem Untersuchungsausschuss versteigt.
Wo sitzt eigentlich der Feind der Freiheiten, die wir hier in Deutschland geniessen?
Naja, gut informierte Postillione wissen natürlich, dass alles ganz ganz anders ist, als es zunächst scheint…
Ich finde es schon bemerkenswert, dass sich die Internationale Liga für Menschenrechte, der CCC und digitalcourage genötigt sehen, aufgrund der – zumindest vordergründigen – Untätigkeit Strafanzeige gegen die Bundesbehörden BND und BfV und die Bundesregierung wegen zu stellen.
Vermutlich erleichtern die staatlichen Übergriffe auf bürgerliche Freiheiten durch die NSA die tägliche Arbeit von BND und BfV, von diesen Behörden kann man also nicht viel Mitarbeit erwarten. Die Untätigkeit der Bundesregierung in diesem Kontext halte ich aber für ein Armutszeugnis. Wenn schon nicht der Emailverkehr der Bürger, so sollte es zumindest der der Industrie geschützt werden. Erstaunlicherweise ist dieses Argument im Regierungshandeln nicht zu erkennen.
Bleibt dem Bürger nur sich selbst zu helfen. Und den Aufruf der Bürgerrechtler der ehemaligen DDR ein weiteres Mal zu lesen.
Wer könnte authentischer über die Auswirkungen von Bespitzelung auf die Demokratie berichten als die Bürgerrechtler der ehemaligen DDR. Was sie vorgestern in der taz auch getan haben. Diesem Aufruf – hier noch einmal in voller Länge abgedruckt – kann man sich nur aus ganzem Herzen anschliessen.
Wir haben viele Jahre in einer Diktatur gelebt und waren auf verschiedene Weise daran beteiligt, uns aus dieser Diktatur zu befreien. Wir empfanden als übelste Frucht der Diktatur den Geheimdienst, der mit Bespitzelung, Telefonüberwachung, Postkontrolle, Zersetzung und mit der Schaffung einer chronischen Atmosphäre der Angst als »Schild und Schwert der Partei« für die Aufrechterhaltung der Diktatur gearbeitet hat. Es war ein Fest, die Überwachungskameras, die Wanzen und die Abhörtechnik der Stasi zu demontieren.
Was wir durch Edward Snowden heute über die technischen Möglichkeiten und den Umfang der Überwachung durch die NSA, über deren Zusammenarbeit mit dem BND und anderen europäischen Geheimdiensten wissen, zeugt von einer völlig neuen Qualität globaler Kontrolle. Wir sind entsetzt, wie weitgehend sich die führenden Politiker unseres Landes mit dem Verlust wesentlicher bürgerlicher Grundrechte der gesamten Bevölkerung abgefunden haben.
Wir appellieren an die mündigen Bürger unseres Landes – egal, ob sie in der DDR oder in der BRD aufgewachsen sind: Lasst es nicht zu, dass unter dem Banner der Demokratie und unter dem Vorwand der Terrorismusbekämpfung international verknüpfte Geheimdienste Waffen auf die Bürger richten, mit denen im Handumdrehen aus der Demokratie eine Diktatur gemacht werden kann. Machen wir den Mund auf, gehen wir gegen unsere eigene Resignation und die Servilität in der Politik an – wir haben erlebt, dass man eine Diktatur beenden kann, dann werden wir doch eine Demokratie am Leben erhalten können.
Von uns allen hängt ab, ob wir die Demokratie zur Farce werden lassen.
Wir sind das Volk.
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Als Techniker möchte ich aber noch ergänzen, dass zur politischen Ächtung dieser Bespitzelung mit Verschlüsselungs- und Anonymisierungstechniken noch eine Schiene gehört, auf der sich in den kommenden Jahren die Aktivitäten hoffentlich verstärken werden. Man muss der staatlichen Neugier ja nicht Tür und Tor öffnen…
Bei Engadget kann man einer neuen Spezies begegnen, die früher Cyborg, und jetzt Glasshole heisst. Schöne neue, datenschutzfreie Welt. Wahrscheinlich grinsen die »Drei Cyborgs von der Datentankstelle« so, weil sie die Dollarmilliönchen, die die unfreiwillig bei Google abgelieferten Daten generieren, schon vor sich sehen…
Bei Engadget wird auch gleich die Antwort des Spassvogels Conan O'Brien mitgeliefert, oder soll ich sagen, aus der Taufe gehoben: »Google ASS. Strap it to your butt.«
PS In die englische Wikipedia kann man auch glasshole eingeben, und – wen wunderts – man wird zu Google Glass umgeleitet.
Tsts, was es alles für Kirchen gibt: The Church of Google. Trotzdem – oder soll ich sagen, gerade deswegen – bleibe ich bei meinem Dasein als Agnostiker!
Möglicherweise bin ich der Letzte in den Weiten des Internets, der den digitalen Ruheraum entdeckt hat, aber egal, hier ist er: alleinr.
Ganz im Sinne meines verlängerten Gedächtnisses erinnerte ich mich eben an ein filmisches Highlight auf Vimeo, das schon vor geraumer Zeit durch das Internet geisterte. Hier sind also – etwas verspätet – die dreieinhalb Minuten Spaß:
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PS Für an der Technik Interessierte gibt es dort vom Produzenten Jason Craft noch ein paar kurze Filme darüber (zum Beispiel dieser hier), wie er es gemacht hat.
Die faire Computermaus ist ein Versuch aus Bichl – nicht weit vom Kochelsee – faire Bedingungen in die Produktion von Elektronikartikeln zu bekommen. Endmontiert wird der »Nager« in einer Regensburger Behindertenwerkstatt.
Verschärften Respekt! Mein »Nager« ist aber leider relativ neu und ich fürchte, nicht aus kontrolliertem Anbau…
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